Geschichte des Familienunternehmens Möller

- Firmen- und Herstellergeschichte zur Dampfmaschine -

Die Dampfmaschine wurde 1895 im Unternehmen K. & Th. Möller – Maschinenfabrik, Kesselschmiede und Eisengießerei, in Brackwede in Westfalen hergestellt. Zuvor sollen die Teile der Maschine im Zeitraum von 1892/ 1893 in Oberschlesien gegossen worden sein. Ein eindeutiger Beleg hierfür fehlt derzeit.

Die Gründung der Firma K. & Th. Möller geht nachweislich auf das Jahr 1863 zurück. Als die Söhne von Friedrich Möller, Inhaber der damaligen Gerberei und Lederfabrik Fr. Möller, errichtet 1827 auf dem Kupferhammer in Bielefeld-Brackwede, nach ihren Studien- und Lehrjahren aus der Fremde zurückkehrten, wollte ihr Vater seine Geschäftstätigkeit noch nicht aufgeben. Deshalb gründeten die Brüder Dr. phil. Karl Möller (1837–1918) und Theodor Möller (1840–1925) die Maschinenfabrik, Kesselschmiede und Eisengießerei unter dem Firmennamen: K. & Th. Möller als offene Handelsgesellschaft.

Der Betrieb der Firma K. & Th. Möller wurde in allen drei Abteilungen im Januar 1864 auf dem Kupferhammer (siehe Gemälde Betriebsgelände von 1907) in Brackwede, heute ein Stadtteil von Bielefeld, aufgenommen. Es wurden Dampfmaschinen, Dampfkessel, Gasometer, Apparate und maschinelle Einrichtungen für die Zucker-, Brennerei- und Brauerindustrie, sowie für Sägewerke, Wasserpumpen und so weiter hergestellt.

Zu Beginn entwickelte sich das Unternehmen langsam, nach dem Kriege 1870/ 1871 jedoch schneller, so dass zu dieser Zeit schon 200 Arbeiter in der Firma beschäftigt wurden. Bereits damals lieferte die Firma ihre Erzeugnisse in größerem Umfang ins Ausland. Es wurden unter anderem durch lange Jahre Dampfkessel und Apparate für Zuckerfabrikeinrichtungen im großen Umfang nach Russland, in die Ukraine, geliefert.

Nach Überwindung der Wirtschaftskrise, Mitte 1870 bis Anfang 1880, nahm das Werk weiteren Aufschwung. Als Theodor Adolf Möller (Poträt rechts), der nachmalige Handelsminister, in das öffentliche Leben eintrat, übernahm der Ingenieur Johann C. Gräbner von der Firma Krupp in Essen die Leitung der Firma K. & Th. Möller, nachdem er 1883 in die Firmenleitung aufgenommen wurde.

1895 wurde die Firma unter Aufnahme von Gräbner als Teilhaber in eine G.m.b.H. umgewandelt. Es wurden im Laufe der Zeit, dem technischen Fortschritt entsprechend, neue Konstruktionen herausgebracht, zum Beispiel die schnelllaufende Gräbner-Kolbenmaschine, die in der Fachwelt als Vorläufer der Gleichstrom-Dampfmaschine und Preßluftwerkzeuge angesehen wurde. 

Die Verbindung des Unternehmens mit dem Ausland wurde weiter ausgebaut. Nach vielen Ländern wurden Maschinen, Dampfkessel und Apparate, untern anderem Dampfkessel nach China und Japan geliefert. In den Jahren etwa nach 1890 erhielt die Firma große Aufträge für Anlagen zur Gewinnung von Chilesalpeter und einiger Nebenprodukte. Es handelte sich um Dampfmaschinen, Dampfkessel, Dampfkocher, Eisenkonstruktionen, Zerkleinerungsmaschinen und Verladeeinrichtungen. Die damals vorhandenen Werkstätten und Fabrikeinrichtungen reichten zur Erledigung dieser bedeutenden Aufträge nicht aus und mussten wesentlich erweitert werden. Insgesamt sind 25.000 tons Kessel, Maschinen und Einrichtungen damals nach Chile exportiert worden.

Die Firma K. & Th. Möller hat von jeher die Herstellung von Apparaten besonderer Art, wie sie in der Entwicklung der verschiedenen Industrien gebraucht wurden, betrieben. Insbesondere wurden geliefert: Destillations- und Raffinerieanlagen für die Verarbeitung von Mineralöl, Apparate für Fett- und Ölhärtung, Gummiverarbeitung, Kaligewinnung, Holzimprägnierung, Gewinnung von Nebenprodukten aus der Kohle, etc.. Es wurden auch Fischdampfer und Walfischfänger mit vollständigen Apparaturen ausgerüstet, mit welchen die Fischleute gleich nach dem Fang auf dem Dampfer zu Tran, Fett und Futter verarbeitet wird.

Neben den bisher aufgezählten Erzeugnissen wurde gegen Anfang der 1890-er Jahre der Bau der von Geheimen Kommerzienrat Dr. Karl Möller (Porträt links) erfundene Luftfilter aufgenommen. Zuerst dienten diese zur Reinigung der Luft für hygienische Zwecke, z. B. in Krankenhäuser. Später fanden sie im großen Umfang weitere Verwendung von Kühlluft für schnell laufende Turbogeneratoren, andere elektrische Maschinen und Kompressoren. Die Firma K. & Th. Möller G.m.b.H. war Mitte der 1920er Jahre auf dem Gebiete des Luftfilterbaus führend und wurde als die Wiege desselben bezeichnet. Ab 1924 hat die Firma den Bau von Wasserkraftanlagen aufgenommen.

Die seit Gründung der Firma hergestellten Fabrikate haben im Laufe der Jahrzehnte großen Absatz gefunden; bis 1926 sind beispielsweise außer den übrigen umfangreichen Lieferungen an Apparaten und sonstigen Einrichtungen weit über 7000 Dampfkessel gebaut worden. Während noch im Jahr 1916 Kesseleinheiten von höchsten 700 qm hergestellt worden sind, wurden 1926 solche bis 2000 qm Heizfläche und mehr hergestellt. Es wurden bis 1926 etwa 1500 Dampfmaschinen mit Leistungen bis 2000 PS abgeliefert. Auf die Erzeugnisse der Firma wurden auf allen im In- und Ausland beschickten Ausstellungen höchste Auszeichnungen erzielt.

Im Verlauf der Weltwirtschaftskrise ist die Firma K. & Th. Möller G.m.b.H. 1931 dann in Konkurs gegangen. Letztes und auslösendes Moment hierfür waren Wechsel gegen Lieferungen in die Sowjetunion, welche die Auftraggeber „platzen“ ließen. Der Betrieb lag dann einige Zeit still, während die ältere Schwesterfirma Fr. Möller erhalten werden konnte und weiter arbeitete. Um 1932/33 übernahmen dann die beiden Prokuristen Baumgarte und Maier ihre bisherige Firma K. & Th. Möller, wobei Herr Maier Geldgeber fand und etwa ein Drittel des Betriebes käuflich erwarb. So entstanden aus der alten Firma K. & Th. Möller G.m.b.H. – Maschinenfabrik, Kesselschmiede und Eisengießerei, zwei neue Betriebe: „Eisenwerk Baumgarte“ (Kessel- und Dampfmaschinenbau sowie Eisengießerei) und „Maschinenfabrik B. Maier“ (Turbinenbau).

Die Firma K. & Th. Möller hat sich schon früh vor allen übrigen der Umgegend durch soziale Einrichtungen ausgezeichnet. Die Begründer der Firma, Dr. phil. Karl Möller und Dr.-Ing. Theodor von Möller, waren auf dem Gebiet der sozialen Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen führend vorangegangen, lange bevor die Gesetzgebung ähnliche Einrichtungen zur Pflicht machte. Unmittelbar nach dem Krieg, im Jahr 1872, wurde der Spar- und Vorschußverein Kupferhammer und 1873 die Kupferhammer-Krankenkasse gegründet. Diese Einrichtungen haben mit gutem Erfolg zum Wohle der Arbeiter- und Angestelltenschaft der Firma K. & Th. Möller und Fr. Möller gewirkt. So könnte noch eine lange Liste der sozialen Einrichtungen aufgezeigt werden, die von den Firmen für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter errichtet wurden. Aufgrund seiner Verdienste wurde Theodor Adolf Möller am 18. Oktober 1905 mit dem erblichen Adelstitel ausgezeichnet.

Die im Jahre 1879 gegründete Stiftung Möllerstift in Brackwede, die zum Andenken an ihren Vater von den Brüdern Theodor Adolf von Möller und Dr. phil. Karl Möller ins Leben gerufen wurde, besteht heute noch. Sie widmete sich damals der Pflege von Kranken und Altersschwachen. Seit über 125 Jahren besteht die Stiftung Möllerstift des Familienunternehmens MöllerGroup. In dem oben gezeigten Foto ist die Stiftung heute untergebracht.

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